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Die Anfänge der Waldorfpädagogik nach Rudolf Steiner Drucken

Freie Waldorfschulen

Innerhalb der Schulen in freier Trägerschaft bilden die Freien Waldorfschulen die größte, rund 180 Schulen umfassende Gruppe, welche ihren Lehrplan frei und eigenständig gestaltet. Der Waldorflehrplan übernimmt nicht die staatlichen Rahmenrichtlinien oder Lehrpläne der jeweiligen Bundesländer, sondern ist entwicklungspsychologisch begründet und den staatlich vorgegebenen Lehrplänen gegenüber als gleichwertig anerkannt. Innerhalb dieses Lehrplans kommt der einzelnen Schule und dem jeweiligen Lehrer ein besonderer Freiraum zu, um den individuellen Kindern und ihrer Entwicklung in hohem Maße gerecht werden zu können. Die Freie Waldorfschule Frankfurt ist allgemein und frei zugänglich und versteht sich aus diesem Selbstverständnis heraus als „öffentliche Schule". Sie gehört mit knapp 900 Schülern zu den größten der 180 Waldorfschulen Deutschlands. In Europa sind es fast 600, weltweit über 800 Waldorfschulen, die auf gleicher Grundlage arbeiten. Die Zahl der Waldorfkindergärten ist noch weitaus größer. Es ist sicher kein Zufall, dass die Wirkungsstätten vieler Waldorfschulen in Gebieten liegen, die „soziale Brennpunkte" genannt werden können: im palestinensischen Lageralltag des Gaza-Streifens, in den gemischtrassigen Townships Südafrikas oder in den Großstadtslums Brasiliens.

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Rudolf Steiner und Anthroposophie

rudolf_steinerDer Name Waldorfschule hat seinen Ursprung von „Waldorf-Astoria". Emil Molt, Inhaber der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabik, hatte 1919 unter anderem die Idee, eine Schule für die Kinder „seiner" Arbeiter einzurichten. Rudolf Steiner, seinerzeit einer derjenigen, die in Emil Molts Fabrik allgemeinbildende Vorträge hielt, wurde mit der Leitung der neu zu gründenden Schule beauftragt. Rudolf Steiner hatte in Wien vor allem Naturwissenschaften, aber auch Philosophie, Geschichte und deutsche Literatur studiert. Er betreute die Herausgabe der naturwissenschaftlichen Schriften Goethes und gab lernbehinderten Kindern Nachhilfeunterricht. Im Zentrum der Bemühungen Steiners stand eine ganzheitliche Pädagogik, eine Pädagogik, durch die Leib, Seele und Geist gleichermaßen gefördert werden sollten. Anthroposophie ist eine von Rudolf Steiner begründete Wissenschaft, die von der menschlichen Natur als Leib, Seele und Geist handelt. Sie wirkt nicht nur in der Waldorfpädagogik, sondern auch in vielen anderen Bereichen, zum Beispiel in der Landwirtschaft, in der Medizin, in der Architektur, in der Wirtschaft, in der Forschung. Anthroposophie als solche tritt an keiner Stelle des Unterrichtsgeschehens inhaltlich auf - vielmehr lebt sie in der Waldorfschule allein im „wie". Die Vermittlung von Weltanschauungen - gleich welcher Art - widerspricht der pädagogischen Grundintention der Waldorfpädagogik. Sie will vielmehr die Schüler über die Schulung der Sinne und der Wahrnehmungsfähigkeit zu eigenen Urteilen und zum freien Handeln führen. Viele Anregungen Steiners und der frühen Waldorfschulbewegung wurde später auch in die Unterrichtspraxis der „Regelschule" übernommen.